Monte Rosa 2003: 4. Tag: Norberts ‘Nanga Parbat’, Guglielmina-Hütte (2870m)

Diesen Tag hatten wir von der DAKS geschenkt bekommen: Da die Mantova-Hütte kurzfristig durch die Eigner-Seltion belegt wurde an dem Tag, an dem wir dort ankommen sollten, war beschlossen worden, hier einen Tag einzuschieben, so daß wir erst einen Tag später auf der Mantova-Hütte ankommen.

Karte 'Nanga Parbat'
Karte 'Nanga Parbat'

Und Matthias lies sich was einfallen: Er hat uns quasi zum Klettern ver-führt. Für diesen vierten Tag war es eine echte Herausforderung, den Weg in die Karte einzuzeichnen. Eigentlich hatte es von der Gabiet-Hütte aus über den Paso Zube (ein Paß) ein wenig hinunter Richtung Alanga-Tal gehen sollen, um dann wieder zur Guglielmina-Hütte aufzusteigen (gelb gepunktet in der Karte). Aber irgendwie haben wir eine Abkürzung gefunden, zumindest Luftlinie. Ich lege meine Hand nicht dafür ins Feuer, daß es da war, wo ich’s jetzt in die Karte gemalt habe. Jedenfalls sind wir deutlich links abgebogen, einer Reihe von Steinmännchen folgend (zu kleinen Haufen gestapelte Steine, dient als Wegmarkierung in den Bergen). Ich vermute inzwischen, die Steinmännchen führen zum Corno Rosso.

Jedenfalls standen wir irgendwann vor dem Abgrund und waren 10 Minuten später schon einen riesigen Schritt weiter. Es war mühsame, und auch nicht immer ungefährliche Kletterei. Nachher ließ sich gut drüber scherzen, aber wirklich wohl fühlten sich nicht alle, mich eingeschlossen. Daß Vera mal zwei Meter abrutschte, glücklicherwiese ohne weitere Folgen, hat sicher zur weiteren Vorsicht beigetragen. Matthias machte die Kletterei nix aus, ist schließlich sein Metier. Er kümmerte sich voraus darum, denn noch am ehesten gangbaren Weg zu finden. Ich war in der Phase gerade mal der Schlußläufer (was ich gerne war, da konnte man etwas mehr seinen eigenen Rhythmus gehen und außerdem hatte man beim Fotografieren von hinten die ganze Gruppe drauf).

Aber es ging ganz locker los:

APS2/2 KB1/4 KB1/5

APS2/2. Aufstieg Richtung Paso Zube, im Hintergrund der Lago Gabiet mit Punta Gabiet.

KB1/4. Pause in einem namenlosen natürlichen Kessel mit Blick auf Corno Rosso.

KB1/5. Dieselbe Pause; irgendwo da hinten halbrechts sind wir drüber…

APS2/3 APS2/4 APS2/5 APS2/6

APS2/3. Noch stehen wir am Abgrund…

APS2/4. …hier sind wir schon einige Schritte weiter…

APS2/5. …und hier helfen keine Schritte mehr, da müssen schon die Hände her. (Reim dich oder ich freß’ dich ;-))

APS2/6. Naja, irgendwo da sind wir runter, aber ohne Horizont ist schwer zu erkennen, wie steil wir uns gefühlt haben.

Norbert nannte diese Übersteigung später “seinen persönlichen Nanga Parbat”, in Anlehnung an die Übersteigung des Nanga Parbat durch die Gebrüder Messner. (Sie stiegen über die 4500m hohe Rupalwand, die höchste Eis- und Felswand der Erde, auf und auf der anderen Seite wieder ab, angeblich, um die bereits angeschlagene Gesundheit von Reinholds Bruder Günther zu schonen. Manche werfen ihm jedoch vor, die Übersteigung von anfang an geplant zu haben. Günther kam in einer Lawine ums Leben.) Ganz so schlimm war’s vermutlich nicht, aber der Name hat sich gehalten.

Beim Aufstieg zur Hütte glaubte ich, in der Ferne in der Felswand einen Weg heruntergekommen gesehen zu haben. Das muß dann wohl der Paß gewesen sein. Aber auch so haben wir es zur Guglielmina-Hütte geschafft, die jedoch in den Wolken lag. Wir sollten noch lernen, daß das in dem Tal (dem Alagna-Tal) häufiger passiert. Genau an der Gipfelgrenze zum nächsten Tal (dem Gressoney-Tal) hören die Wolken auf, wie die gleich folgenden eindrucksvollen Bilder zeigen.

Die Guglielmina-Hütte selbst war ursprünglich ein Hotel, damals, 1878, das höchste Europas. Es war gedacht für Wintersport-Touristen der gehobenen Klasse, hat sich aber nicht als Hotel halten können. Nun firmiert es zwar als ‘Hütte’, aber die Ausstattung ist immer noch sehenswert. Die Zweibettzimmer sind mit schönen alten Möbeln eingerichtet, auch die Gasträume haben einfach mehr Flair als die der anderen, einfacheren Hütten. Das Essen ist hervorragend, nur für meinen Geschmack dürfte es einfach etwas mehr sein… 😉

APS2/7KB1/7

APS2/7. Die Guglielmina-Hütte auf 2870m in den Wolken.

KB1/7. Gemsen im nebligen Gegenlicht, aufgenommen kurz hinter der Guglielmina-Hütte mit Blick auf den Paß Cole d’Olen im Hintergrund.

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KB1/8. Auf dem Cole d’Olen stehend, nach Süden gerichtet auf den Corno Rosso: Links im Alagna-Tal bilden sich Wolken, rechts im Gressoney-Tal herrscht strahlender Sonnenschein.

KB1/9. Ähnliche Aufnahme, etwas andere Position.

KB1/10. Von derselben Position aus der Versuch eines Blicks in das Gressoney-Tal. Wenn man genau hinschaut erkennt man nach links die Skipiste aus dem Bild laufen. Über diese Piste ist die Seilbahn zum Paso di Salati gebaut.

Originally Created: 08/20/2003 12:26:27 AM
Last Edited: 08/24/2003 05:27:05 PM