Monte Rosa / Gran Paradiso:14. Tag: Rückreise am Mont Blanc vorbei (Punta Heilbronner, 3462m)

Der letzte Tag, irgendwie mußte ich zurück nach Hause. Da die Tour ja ursprünglich über den Mont Blanc nach Les Houches in Frankreich führen sollte, hatte ich mir Zugverbindung von dort aus nach Hause herausgesucht. Irgendwie mußte ich da jetzt hin. Und ich steckte immer noch auf der italienischen Seite. Auf Bergkarten hatte ich gesehen, daß mehrere Seilbahnen nacheinander von der italienischen Seite ohne Unterbrechung über die Aiguille du Midi (3842m, ein Nebengipfel im Mont Blanc-Massiv) bis wieder hinunter nach Charmonix führen. Damit wäre mir geholfen, denn in Charmonix hätte ich Zuganschluß. Und außerdem verspricht diese Mont Blanc-Massiv-Querung per Seilbahn ein touristischer Abschlußgenuß zu werden. Matthias bestärkte mich darin, es genauso zu machen, weil die Seilbahnfahrten am Mont Blanc vorbei in der Tat sehr schön aussichtsreich sein sollen. Zum Startort (Courmayeur) hätte ich per Bahn kommen können, aber Norbert fand zunehmend Gefallen an der Idee und wollte ohnehin noch einige Tage Urlaub anschließen. So beschlossen wir schließlich, es zusammen zu versuchen, was alles etwas einfacher werden ließ, weil Norbert ja ein Auto dabei hatte.

Wir stiegen also Samstag morgen recht zügig (obwohl ich durch eine schmerzende Wunde am linken kleinen Zeh etwas gehandicapped war) von der Emanuelle-Hütte ab wieder nach Pont. Zunächst hatte Norbert Matthias noch angeboten, wieder in Pont St. Martin vorbeizufahren, um dort dessen Auto abzuholen. Als wir dort ankamen, war gerade Markt auf dem Platz, wo wir das Auto hatten stehen lassen. Aber der Fiat-Händler hatte es wohl frühzeitig gerettet und lag gerade unter dem Wagen als wir ankamen. Matthias begann schon, uns zu verabschieden, da fuhr sein Auto vor. Ging offenbar letztlich doch recht schnell. Der Händler murmelte etwas von “Dieci Euros” und wir grübelten, ob das jetzt “zehn” oder “hundert” bedeutet. Matthias zahlte, kam zurück und sagte: “Er meinte wirklich zehn!” Und außerdem sei die vorherige Reparatur eine ziemlich Schlamperei gewesen. Wobei wohl offen bleiben wird, ob schon der Schweizer KFZ-Meister es verbockt hat oder wir durch unsere eigenen Versuche.

Seilbahnplan Mont Blanc
Seilbahnplan Mont Blanc

Norbert und ich machten uns in seinem Wagen wieder auf den Weg Richtung Courmayeur und fanden ohne Probleme die Talseilbahnstation. Der Ticket-Verkäufer sprach zum Glück Englisch und erklärte mir, wie es ablaufen würde anhand obigen Plans:

Auf der italienischen Seite gibt es drei aufeinanderfolgende Seilbahnen, die einen über Mont Fréty und Rifugium Torino zur Punta Heilbronner bringen. Dort ist dann die italienisch-französische Grenze. Für die weitere Fahrt über die Aiguille du Midi bis nach Charmonix müßte ich dann dort Fahrkarten kaufen. Norbert, der natürlich nachher zu seinem Auto zurück mußte und mich bis zum höchsten Punkt, eben der Auguille du Midi, begeleiten wollte, bekam also eine Rückfahrkarte und ich kaufte mutig nur eine Fahrt in eine Richtung, die allerdings nur wenig billiger war.

Hoch ging auch alles recht schnell, ich natürlich mit vollem Gepäck. Die Seilbahnen (alles übrigens nur 2-Gondel-Bahnen, fix montiert: während eine Gondel auf der einen Seite hochfährt, kommt ihr die andere auf der anderen entgegen) fuhren alle recht zügig nacheinander, so daß wir nach kaum einer halben Stunde bereits auf der Punta Heilbronner auf 3462m ankamen. Die Landesgrenze war zwar durch Schilder zu erkennen, aber Zoll gab’s natürlich auch dort nicht.

Wir wollten natürlich sofort weiter, aber das gestaltete sich schwierig: Wir fanden nämlich keinen Ticket-Verkaufsstand für die französischen Bahnen. Wir sahen nur eine Schlange stehen vor etwas, was der Eingang zur französischen Bahn sein könnte. Norbert stellte sich mal an, während ich versuchte rauszufinden, wie’s genau weiter geht. Schließlich bin ich einfach an der ganzen Schlange vorbei. Dort, in den Kellern der Station sah ich links ein Schild “Caisse”. Das sah vielversprechend aus und ich wandte mich dorthin, wurde aber sofort von einem Mitarbeiter, der die Schlange unter Kontrolle hielt, zurückgepfiffen. Auf meine (englische!) Bemerkung, ich würde gerne ein Ticket kaufen, ich hätte noch keins, hieß er mich in einer Ecke zu warten. Schließlich gab er mir zwei Pappkärtchen mit der Zahl “26” drauf. Dies seien Reservierungen. Erst mit ihnen würde ich mir ein Ticket kaufen können. Toll. Immerhin hatte ich jetzt Reservierungskarten. Ein anderes Schild gab der Zahl 26 ihren Sinn: Sie bezeichnete die Abfahrtszeit: In über einer Stunde erst!

Norbert entschied sich, wieder hinabzufahren, denn für ihn wäre es auf jeden Fall ziemlich spät geworden, wenn er auf der Rücktour ähnlich lange warten müßte. Ich habe ein bißchen hin- und herüberlegt und bin schließlich auch wieder auf der italienischen Seite hinab. Die notwendige Karte konnte ich oben kaufen. Und in einer guten halbe Stunde später waren wir wieder unten. Die Pappkärtchen mit der 26 habe ich immer noch; vielleicht werden seitdem die Gondeln um 13:30 Uhr immer mit zwei Personen weniger gefüllt, wer weiß… Die folgenden Fotos sind auf der Punta Heilbronner (3462m) entstanden:

KB2/17a KB2/18a KB2/19a

KB2/17a. Mont Blanc, von der Punta Heilbronner, also von italienischer Seite, aus gesehen. Keine Sorge: Die üblichen Besteiungsrouten laufen alle von der viel einfacheren französischen Seite über Gletscher…

KB2/18a. Und sieht’s auf der Punta Heilbronner aus: Wunderschöner Rundblick, aber definitiv zu viele Leute.

KB2/19a. Blick zurück: Über das Tal sind wir nach Courmayeur eingefahren. Irgendwo da hinten muß der Gran Paradiso sein. Norbert, findest Du ihn wieder…?

Zurück am Auto sind wir durch den Mont-Blanc-Tunnel nach Charmonix mit dem Auto gefahren. Nach dem Feuerdesaster vor einigen Jahren in dem Tunnel waren die Sicherheitsvorkehrungen dramatisch verschärft worden. Es handelt sich ja nur um eine zweispurige Straße durch eine einzige Röhre. V.a. werden die Autos nur in einem definierten Abstand in die Röhre gelassen; und das verzögert die Einfahrt. So gesehen wäre ich mit der Seilbahn vielleicht auch nicht langsamer gewesen. Nun, man kann nicht alles vorhersehen. Aber ich hatte immer noch die Hoffnung, es an dem Tag noch bis nach Frankfurt zu schaffen und nicht zwischendurch irgendwo übernachten zu müssen.

APS3/21In Charmonix haben wir kurz Station gemacht, uns kurz diese totale Touri-Metropole angesehen und was gegessen. Das bild zur linken (APS3/21) zeige die Hauptstraße Charmonix’ mit dem Mont Blanc im Hintergrund. Von der Seite würde man aufsteigen. Aber selbst aus der Entfernung konnten wir eine Vielzahl großer Gletscherspalten ausmachen; ein deutliches Zeichen für eine starke Erwärmung.

Das wohl deutlichste Zeichen einer Touristen-Stadt in Frankreich: Als wir uns ins Restaurant setzten grüßen wir natürlich französisch, ein einfaches “Bonjour” kriegen wir schon noch hin. Die Bedienung fragt zurück (in englisch) ob wir die französische oder die englische Karte möchten und bringt uns dann auf unseren Wunsch hin die englische. So weit, so nett. Das Außergewöhnliche: Unsere englische Karte hatte keinerleu besondere Kennzeichnung. Die französischen Gäste gegenüber dagegen erhielten eine Karte, auf der eine kleine französische Flagge deutlich zeigte, welche Sprache drin ist. Englisch schien wohl in Charmonix die Normalität zu bedeuten.

Schließlich fuhren wir in Norberts Wagen weiter Richtung Martigny in der Schweiz. Der Bahnhof dort war nicht ganz einfach zu finden. Schließlich landeten wir auf der ‘falschen’ Seite, aber es gab eine Fußgängerunterführung. Ich dankte Norbert und verabschiedete mich von ihm. Er wollte irgendwo in der Schweiz noch ein paar Tage verbringen. Als ich meine Siebensachen wieder aufnahm fuhr gerade ein Zug ein. Ich hatte die Hoffnung, daß es nicht meiner sei und ging normalen Schrittes durch die Unterführung zum Bahnhof. Der Zug stand dann immer noch da. Er wollte nach Genf. Ich aber nicht, also ignorierte ich ihn erstmal. Meines Wissens sollte ich nach Biel/Bienne. Der Aushangfahrplan enttäuschte mich dann ein wenig: Es gab keine Verbindung nach Biel/Bienne. Also kramte ich meiner Verbindungsübersicht raus und stellte fest, daß ich doch erstmal nach Lausanne mußte. Uups, und das war die letzte Station vor Genf. So bin ich in letzter Sekunde noch auf den Zug aufgesprungen, der immer noch da rumstand. War man gut so, denn letztlich habe ich es nur so geschafft, noch am selben Tag bis nach Frankfurt zu kommen. Wegen der plötzlichen Entscheidung war ich jetzt natürlich unsicher, wohin genau der Zug fährt. Deutsch oder Englisch sprach im ganzen Wagen niemand, also kratzte ich ein paar Brocken Französisch zusammen und ein älteres Paar bestätigte, daß ich korrekt unterwegs war. Ein Fahrkarte führ die Strecke hatte ich glücklicherweise schon in Deutschland kaufen können, so daß ich mich nicht auch noch mit dem Schaffner auf Französisch hätte auseinandersetzen müssen wegen der Strecke und des Preises…

Der Rest war relativ ereignislos, aber die Strecke war schön. Immer wieder vorbei an den vielen Binnenseen der Schweiz. Die Zugverbindungen in der Schweiz sind vorbildlich. Ich mußte zwar in Lausanne, in Biel und schließlich in Basel umsteigen, hatte aber niemals länger als 15 Minuten zu warten. Nur in Basel, wo ich auf den deutschen ICE wartete, war’s länger… Reichte, um eine Zeitung und eine Kleinigkeit zu essen zu kaufen. Bislang war ich ja völlig mit Euros ausgekommen und hatte keinerlei Schweizer Franken dabei. Aber die meisten Shops akzeptieren auch Euro-Scheine, geben aber Wechselgeld in Franken aus.

Der einzige Zug mit Verspätung war (natürlich?) der deutsche ICE. Aber immerhin war ich noch kurz vor Mitternacht mit dem letzten ICE in Frankfurt angekommen und hatte den ganzen Sonntag zum Ausspannen. Nur war es in Deutschland drückend und brütend heiß.

Ich wollte sofort wieder zurück, mindestens auf 2.500 Meter…

APS3/22. Lausanne bei Abfahrt, hatte zu spät dran gedacht, noch ein Beiweisfoto zu schießen.

APS3/23. Da ich auf den ICE warten mußte, hatte ich in Basel ein paar Minuten Zeit ‘vor die Tür’ zu gehen: Basel Schweizer Bahnhof von vorne. Drinnen wird allerdings derzeit schwer renoviert, da sieht’s im Moment ziemlich übel aus.

APS3/24. Basel SBB von innen, ‘mein’ ICE wartet noch ein bißchen… 😉

APS3/25. Samstag nacht, 23:18: Ich war wieder zu Hause!

Originally Created: 08/24/2003 01:11:10 PM
Last Edited: 08/24/2003 07:45:37 PM